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Zurück zur Wiesenbewirtschaftung.
Düngung:
 

In der Vergangenheit wurden nur sehr wenige Wiesen - meist in Hofnähe - mäßig gedüngt und mehr als zweimal jährlich gemäht. Der Grund: das wichtigste Düngemittel, nämlich der Stallmist, wurde für den Ackerbau benötigt.
Erst nach 1950, mit dem Wirtschaftsaufschwung, begann man in nennenswertem Umfang sowohl auf den Äckern als auch im Grünland mineralische Stickstoffdünger einzusetzen. Die Futterproduktion konnte dadurch stark gesteigert werden, was wiederum erhöhte Viehbestände ermöglichte. Damit fielen wesentlich größere Mengen Dung an, die es erlaubten, die Wiesen in großem Umfang und kräftig mit Festmist und Gülle zu düngen.


Die immer intensivere Düngung zunehmend mit Gülle, Jauche oder Kunstdünger, war der Auslöser für die größte Veränderung der Wiesen und ihrer Lebensgemeinschaften.

Für die Wiesenbewirtschaftung am bedeutungsvollsten sind die großen Unterschiede der Stickstoffverfügbarkeit in den unterschiedlichen Düngerarten:

.Mist:

MIST zeichnet sich durch eine hohe Nährstoff-konzentration aus, allerdings sind die Nährstoffe und auch der größte Teil des Stickstoffes organisch gebunden. Die Nährstoffe werden langsam abgegeben und der Bestand dadurch über einen längeren Zeitraum gleichmäßig mit Nährstoffen versorgt, wodurch eine nachhaltige Wirkung erzielt wird. Zudem kann Mist gut gelagert werden. Mit dem früher wichtigsten Düngemittel, dem Stallmist, werden Samen vieler Grünlandpflanzen auf Äckern und Wiesen verteilt. Auf dem Misthaufen wird nämlich die Keimfähigkeit der meisten im Kot der Tiere und in der Einstreu enthaltenen Samen nicht beeinträchtigt. Der heute vorherrschende Wirtschaftsdünger, die Gülle, enthält dagegen nur wenige keimfähige Diasporen (anaeorob, hohe Methan- und Ammoniakkonzentration).

HINWEIS: Generell wird Sägemehl als Einstreu nicht empfohlen. Wird es dennoch verwendet, muss der Mist unbedingt umgesetzt und gut abgelagert werden (4-5 Monate), denn die Holzstoffe wirken wurzeltätend und werden nur von wenigen Pflanzen vertragen (z.B. Schafgarbe und Hahnenfuß).

 
.Gülle und Jauche:

In der GÜLLE/JAUCHE, die sich ebenfalls durch ein hohe Nährstoffkonzentration auszeichnet (insbesondere einer großen Menge an Stickstoff, aber der Nährstoffgehalt ist unausgewogen), liegt der größte Teil der Nährstoffe und auch des Stickstoffes in gelöster Form vor. Der Dünger ist dadurch rasch wirksam, die Nährstoffe können aber auch leicht ausgewaschen werden. Der große Nachteil: wenn die Grube voll ist, muss der Dünger ausgebracht werden. Gülle nur stark verdünnt aufbringen: 1 Teil Gülle, 2-3 Teile Wasser! Generell gilt: regelmäßige Düngung mit Gülle bedarf entsprechender Standorte, in denen die erhöhte Nährstoffversorgung von den Pflanzen auch entsprechend genutzt werden kann. Entspricht der Standort nicht den Anforderungen einer intensiven Nutzung, kommt es zur Belastung der Umwelt - insbesondere in alpinen Bereichen oder in feuchten, schattigen, kühlen aber auch in sehr trockenen Klimaregionen in denen das Wachstum der Pflanzen von Natur aus eingeschränkt ist.

.Kunstdünger:

Kunstdünger zeichnet sich wie Jauche und Gülle durch eine hohe Nährstoffkonzentration aus - insbesondere aber durch einen hohen Gehalt an schnellwirkendem synthetischen Stickstoff. Auch hier ist der Nährstoffgehalt unausgewogen. Zudem sind die Nährstoffe nicht komplex gebunden und können sehr leicht ausgewaschen werden.

.Beratungsinhalte der LLK:

Wirtschaftsdünger aufbereiten (z.B. Gülle verdünnen), bedarfsgerecht düngen, Nutzungsintensität dem Standort anpassen

HINWEIS: Auch (sehr) intensiv genutzte Wiesen verlangen eine maßvolle Düngung (nie mehr als 25m³/ha gut verdünnte Gülle ausbringen) und sorgfältige Nutzung. 4-5malige Mahd stellen das Maximum der intensiven Nutzung dar! Überintensive Nutzung wird zur Belastung der Umwelt. (Dietl)

HINWEIS: Wenig intensiv genutzte Heuwiesen, wie Glatthafer- und Goldhaferwiesen bevorzugt mit Mist düngen oder nur etwa alle 3-5 Jahre im Herbst mit Gülle. GRUND: die kennzeichnenden Arten der Wiesen, wie z.B. der Glatthafer, Wiesenschwingel, etc. vertragen keine Gülle! (Dietl)

(siehe Kapitel: Ursachen wiesenbaulicher Problem!)

.Gradmesser der Düngung ist die Artenvielfalt:

Entscheidend für den Artenreichtum einer Wiese ist das Nährstoffniveau! Unter dem Einfluss der Düngung nimmt die Zahl der Blütenpflanzen - und damit auch der tierischen Wiesenbewohner - stetig ab! Die artenreichsten Wiesen mit bis zu 70 Arten sind die extensiv genutzten Halbtrockenrasen und Trockenrasen. In wenig intensiv genutzten Wiesen, z.B. Salbei-Glatthaferwiesen kann man bis zu 50 Arten zählen. Sehr intensiv genutzte Wiesen mit etwa 15- 20 Arten signalisieren die Grenzen der Wiesenkultur. (Dietl 2004)

(siehe Kapitel: Naturhaushalt!)