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New York, Time Square. Laufende Lichtbänder,
Leucht-reklamen, riesige Bild-Projektionen ein Lichtspektakel,
das die Nacht von ihrer grellsten Seite zeigt. Die Lichteffekte
der Multimediashows stehen im Dienste der Werbung und Unterhaltung.
Kaum jemand, der nachts durch die hell erleuchteten Straßen
einer modernen Großstadt schlendert, denkt daran, daß
Licht einst etwas Besonderes war. Noch unsere Urgroßväter
schenkten ihrer Angebeteten zu Maria Lichtmeß (2. Februar)
bemalte Wachsstöcke. Auch Töchter und weibliche
Dienstboten erhielten an diesem Tag ihren Wachsstock, der
an den dunklen Winterabenden der Vorweihnachtszeit beim Kirchenbesuch
angezündet wurde. Die hervorragende Stellung des flammenden
Lichtes im religiösen Kult resultiert nicht zuletzt aus
seiner elementaren Bedeutung für das Leben.
Die Zeit der Aufklärung und des Klassizismus hat den
Begriff des finsteren Mittelalters geprägt,
der neben der Geringschätzung dieser Epoche gegenüber
der Antikenverherrlichung den Hinweis auf die Beleuchtungs-verhältnisse
der Ritterzeit enthält. Dauerten Arbeiten
bis in die Nacht hinein oder mußten im Dunkeln verrichtet
werden (Bergwerk), bediente man sich der Fackel. Neben dem
Kienspan wurden Öl- und Talglampen zur Beleuchtung der
Räume benutzt. Diese hat man sich im 13. Jh. als einfache
Tonschalen vorzustellen 1. Schönere Exemplare besitzen
einen eingerollten Griff. Den ärmeren Schichten diente
oft nur der Schein des offenen Herdfeuers zur Beleuchtung.
Abendliche Geselligkeit im Kerzenschein beim Mühlespiel
kennt man vor allem aus adeligen und bürgerlichen Verhältnissen.
Bienenwachs war teuer, während Rinderfett, Talg oder
billiges Öl rasch niederbrannte bzw. stark rußte.
Im allgemeinen begann man den Tag mit Sonnenaufgang und beendete
ihn mit
Sonnenuntergang.
An eine Außenbeleuchtung im heutigen Sinne war überhaupt
nicht zu denken. Wohl führte bereits im 16. Jahrhundert
Ferdinand II. von Tirol, der seine Popularität einer
Mésalliance mit Philippine Welser, der Tochter eines
Augsburger Geschäftsmannes verdankt, Pechpfannen an den
Eckhäusern ein. Bis ins 18. Jh. wurden Besucher von Fackelträgern
oder dem aufmerksamen Gastgeber selbst mit einer Laterne nach
Hause begleitet. Die Redensart vom Heimleuchten
erinnert noch daran. Sogenannte Brennkalender bezeugen zwar
den Einsatz von Öllampen als Straßenbeleuchtung
in einigen europäischen Städten Paris 1667,
London 1668, Amsterdam 1669, Berlin 1679, Hamburg 1675, Wien
1687, Leipzig 1702 doch fungierten diese eher als Positionslampen,
denn als Beleuchtungskörper.
Noch heute ist es in Afrika oder Lateinamerika geboten, vor
Einbruch der Dunkelheit daheim zu sein. Fährt man nachts
auf Guatemalas abgelegenen Straßen durch Mayagebiet,
so kann man die dörflichen Siedlungen kaum ausmachen,
weil außerhalb des Lichtkegels der Autoscheinwerfer
völliges Dunkel herrscht. Dem nächtlichen Reisenden
wäre es bei uns früher ähnlich ergangen. Trotz
landesfürstlicher Straßensicherung galt Reisen
nachts als gefährlich, einerseits der Kriminalität
andererseits der erhöhten Unfallgefahr wegen. Kutschen
der besseren Herrschaften oder Fuhrwerke gewerblicher Betriebe
waren mit Laternen ausgestattet, das Bauernwagerl konnte nur
tagsüber gebraucht werden. Nächtlicher Verkehr kommt
praktisch erst mit der Erfindung des Automobils (1885) auf.
1902 1903 erhielt Landeck als zweite Stadt Tirols,
kurze Zeit nach Innsbruck, eine elektrische Straßenbeleuchtung.
Van Goghs Gemälde Kleiner Weg am Montmartre,
1886 fällt in die Zeit der Umstellung von Gaslicht auf
elektrische Beleuchtung. 23 Jahre früher hatte Jules
Verne in seinem Science-Fiction- Roman Paris im 20.
Jahrhundert die Metropole im Licht einer elektrischen
Straßenbeleuchtung beschrieben. Tatsächlich verfügte
als erste europäische Stadt Berlin (1878) über eine
elektrische Straßenbeleuchtung. Auf den Stadtlandschaften
der Zwischenkriegszeitmalerei erscheinen die Straßenlampen
gelb, ihr Schein taucht nur die unmittelbare Umgebung in Helligkeit
Aus dem Kontrast des warmen Gelbtones mit dem dunklen, kaltfarbigen
Hintergrund ergibt sich ein Spannungsverhältnis, das
unser Gefühl in vielschichtiger Weise berührt. Die
Wirkung von Licht und Farbe auf den Gemütszustand interessierte
Psychologen wie Künstler seit jeher.
Den Blick auf Innsbruck von der Seegrube aus hätten
die Maler der 20er Jahre wohl als dunkle Stadtarchitektur
mit einzelnen Lichtpunkten dargestellt. Schaut man heute aus
der gleichen Position auf Tirols Hauptstadt, so erfüllt
ein Lichtermeer die Nacht, das bis 1600 m Seehöhe abstrahlt,
sodaß der Bergwanderer auch nachts seinen Weg problemlos
ohne Taschenlampe finden könnte. Die moderne Beleuchtungs-(un)kultur
erst durch die Erfindung der Gasentladungslampen möglich
beruht vielfach auf unreflektierter Gewohnheit und
übersteigt bei weitem den aus Sicherheits-gründen
gegebenen Bedarf.
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Anmerkungen
1 Harald Stadler, Der Erpfenstein bei Erpfendorf,
Gem. Kirchdorf in Tirol. Eine mittelalterliche Burganlage
im Leukental in: Nearchos 2, 1994, S. 82f. u. Abb. A106-A109
2 Josef Hirn, Erzherzog Ferdinand von Tirol. Geschichte
seiner Regierung und seiner Länder, Bd. 1, Innsbruck
1885, S. 495
3 Anläßlich der Einführung der
Stadtbeleuchtung in Leipzig wurde eine Medaille geprägt.
Publiz. in: Michael Kunzel, Geschichtsmedaillen und Plaketten
aus der Sammlung des Deutschen Historischen Museums, hrsg.
v. Deutsches Histori-sches Museum, 6.Jg., Heft 17, Berlin
1996, Inv.-Nr. N77/404
4 Tiroler Tageszeitung, Nr. 14, 1.4.1902 und Wilfried
Huber, Die Donauchemie, in: Stadtbuch Landeck, Innsbruck-Landeck
1998, S. 295
5 Van Gogh, Kleiner Weg am Montmartre
(bei Tageslicht dargestellt), Öl/Karton, Paris, Frühjahr
1886. Amsterdam Rijksmuseum Vincent van Gogh, Vincent
van Gogh Stiftung, F 232, Jh 1113
6 In Paris seit 1828 Gasbeleuchtung, 1844 erster
öffentlicher Beleuchtungsversuch mit händisch
regulierten, elektrischen Lichtbogenlampen auf der Place
de la Concorde. Vgl. Johan-nes Abele, Die Lichtbogenlampe,
in: Technikgeschichte, hrsg. v. Deutsches Museum, München
1997 (1995), S. 12 u. 30 |
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