Seit vielen Jahrtausenden ist es das grundlegende Interesse des Menschen, künstliches Licht zu erzeugen, um die Dunkelheit zu besiegen. Die nächtliche Finsternis war uns schon immer suspekt. Es ist noch kein halbes Jahrhundert her, dass in ländlichen Gebieten die Nacht die Menschen in ihrem Bann hielt.
Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts brachte die Erfindung der Glühbirne dauerhaftes Licht in die Finsternis. Heute ist nächtliche Beleuchtung weitab vom ursprünglichen Bedürfnis nach Sicherheit, ein Symbol für Luxus und „high life“ geworden. Der Mensch bestimmt seinen Rhythmus selbst – der natürliche, Jahrmillionen alte Wechsel von Tag und Nacht scheint gebrochen.
Nacht für Nacht erhellen tausende Lichtquellen weit über die Siedlungsgebiete hinaus; Gebäude, touristische und technische Einrichtungen und leuchten die Landschaft oft bis ins letzte Detail aus. Skybeamer und Lichtkegel von Diskotheken bohren sich in den Nachthimmel. Die Vielzahl der künstlichen „Irrlichter“ bleibt nicht ohne Folgen für die Natur und bringt diese in die sprichwörtliche „Helle Not“. Diese Erhellung hat nicht nur für die Lebensbedingungen vieler Tiere dramatische Folgen, sondern auch für die Astronomie und zunehmend auch für die menschliche Gesundheit.
Diese Situation veranlasste die Tiroler Umweltanwaltschaft im Frühjahr 2000, ein Projekt mit dem Titel „Die HELLE NOT“ zu starten. Primäres Ziel des Projektes war der Artenschutz nachtaktiver Schmetterlinge im Raum Tirol. Mit einer umfassenden Informationsbroschüre „Die Helle Not“, in der faktenreich belegt wurde, dass alternative Beleuchtungssysteme nicht nur zum Schutz der Nachtfalter Sinn machen, sondern aufgrund des hohen Energiesparpotenzials auch aus Kostengründen erste Wahl sind, und einer Förderaktion (2002 - 2003) für 60 Tiroler Gemeinden, sollte ein aktiver Beitrag zum Artenschutz geleistet werden. Der bewusste Umgang mit Licht sowohl im Sinne des Naturschutzes als auch im Sinne des Energiesparens und der öffentlichen Gesundheit waren und sind oberstes Ziel des Projektes. Keinesfalls sollen dadurch Sicherheitsnotwendigkeiten eingeschränkt werden.
Die Aktualität des Projektes zeigte bald eine umfassende Breitenwirkung und stieß auch außerhalb der Tiroler Grenzen auf reges Interesse. Durch die Initiative der Wiener Landes-umweltanwaltschaft, wurde die bestehende Broschüre unter Mitarbeit von Lichttechnikern und Astronomen um weitere Aspekte der Lichtverschmutzung ergänzt.
Das anhaltende und über die Grenzen des Landes hinausgehende Interesse bestätigt, dass dieses Projekt mehrere sinnvolle Aspekte vereinigt und die Chance bietet, einer echten Innovation auf breiter Basis zu einem Durchbruch zu verhelfen. Ökologische Forderungen und ökonomischer Nutzen gehen bei diesem Projekt Hand in Hand.

Tiroler Landesumweltanwalt
DI Sigbert Riccabona
 
DI Sigbert Riccabona - Tiroler Landesumweltanwalt
 
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